Nachfolge gesucht: Generationswechsel auf traditionellem Schulbauernhof

Thomas Mosebach

Ein Kraftakt mitten in der Corona-Pandemie

Der Hutzelberghof sucht Nachfolger

von Thomas Mosebach

An der Basis, „mit den Kindern“ so Michaela Schenke, „soll die Arbeit auf dem Hutzelberghof weitergehen“. Das ist der große Wunsch einer leidenschaftlichen Bauernhofpädagogin. Seit 1999, mehr als 20 Jahre lang, ist der Hutzelberghof ein Ort, an dem Kinder- und Jugendliche nicht nur für die Schule lernen, sondern vor allem für das Leben. Jetzt soll der Hof neue Besitzer finden, „die auch das Konzept mit übernehmen“, sagt Michaela Schenke.

Wie schwer es ist, für einen reinen Schulbauernhof einen neuen Besitzer zu finden, das hat die Agrar-Ingenieurin den zurückliegenden Monaten erfahren müssen. Viele „Phantasten“ waren unter den Interessierten, Menschen mit utopischen Vorstellungen und vor allem viele Interessierte mit viel Leidenschaft, Ideen, aber ohne Geld. „Am besten wäre jemand, der das Geld übrig hat und keinen Profit machen möchte“, erzählt Michaela. Denn der Hutzelberghof ist durch und durch ein Schulbauernhof. Nicht groß genug, um die Landwirtschaft für den Erwerb zu betreiben, zu sehr eingeführt als das, was er ist – ein Ort für Kinder- und Jugendliche.

Während der Hof ökologisch bewirtschaftet wird und Eigentum der beiden Betreiber, Michaela und Holger Schenke ist, befindet sich der dazugehörige Beherbergungsbetrieb in Trägerschaft einer gemeinnützigen GmbH. Im Grunde ist diese Konstellation ein guter Ausgangspunkt für die weitere pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Doch man kann damit nicht reich werden und muss auch noch viel Geld für die Übernahme mitbringen“, sagt Michaela. Für 470.000 Euro bekämen die neuen Eigentümer einen funktionierenden Demeter-Hof mit Käserei, Bäckerei und Beherbergungsbetrieb.

Der Schulbauernhof Hutzelberg bietet in jedem Jahr weit mehr als 1000 Schulkindern im Alter von 8 bis 12 Jahren die Möglichkeit, während eines einwöchigen Aufenthaltes die Grundzusammenhänge einer ökologischen Landwirtschaft kennenzulernen. Auf dem „Stundenplan“ stehen Ackerbau, Viehhaltung und Nahrungsmittelverarbeitung. Geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hofes leiten die Kinder und Jugendlichen beim aktiven Tun in Kleingruppen an. Damit folgt der Hof den Anforderungen aus der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und ist als solcher auch zertifiziert.

Landwirtschaftlich-pädagogische Betätigungsfelder bieten die kleine Milchkuhherde mit Nachzucht, Schweine, Hühner, Schafe, Kaninchen, Gänse, Bienen. Auf sieben Hektar  Ackerland wird Hafer, Roggen, Weizen, Kartoffeln, Kleegras, Ackerbohnen, Erbsen, Flachs und Freilandgemüse angebaut. Es gibt einen Bauerngarten, ein Gewächshaus und einen großen Obstgarten. Dazu noch 18 Hektar kräuterreiche Wiesen und Streuobstweiden

Die Schülerinnen und Schüler wirtschaften mit in der Käserei und Bäckerei. Sie lernen landwirtschaftsnahe Handwerke kennen, wie Filzen, Flechten, Schmieden, Besen binden, Flachs aufarbeiten.

In dem angemieteten Beherbergungsbetrieb bietet die „Ökologische Hofherberge“ Raum für den Aufenthalt, die Übernachtung und Verpflegung einer Schulklasse mit 25 bis 30  Kindern.

Sollte sich kein Käufer für den Hof als Schulbauernhof finden, will Michaela Schenke versuchen alleine weitermachen – trotz aller Herausforderungen, die die Corona-Pandemie mitbringt. „Sollten weiterhin keine Schulklassen kommen können, denken wir an eine Umwandlung in einen Träger der Kinder- und Jugendhilfe mit den entsprechenden Angeboten. Das könnte beispielsweise die Einrichtung von Jugendwohngruppen sein.

Gerne leiten wir Kontaktwünsche weiter – kontakt@baglob.de

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