Presse: Leben lernen auf dem Bauernhof – Bundestagung Bauernhofkindergartentagung 2018

Bundestagung zum Kindergarten auf dem Bauernhof

Leben lernen auf dem Bauernhof

Vom 19.-21. Oktober ging es in Arnsberg im Sauerland um Fragen, Informationen, Tipps und Ideen rund um Kindergärten auf dem Bauernhof. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof e.V. (BAGLoB) hatte in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und dem Bundesforum Lernort Bauernhof zur „Bundestagung Bauernhofkindergarten“ eingeladen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft stellte finanzielle Unterstützung für die Tagung bereit.

80 Teilnehmende aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands waren gekommen und empfanden die weite Anfahrt aus Bayern, Sachsen-Anhalt oder Schleswig-Holstein als lohnend. Immer mehr Initiativen entstehen, die sich einen Kindergarten auf dem Bauernhof wünschen. Eltern, Erzieher*innen und Landwirt*innen erkennen zunehmend die Chancen, die sich für Kinder im Elementarbereich auf dem Bauernhof bieten. Noch ist die Gründung Pionierarbeit. Der Austausch untereinander und das Kennenlernen gelungener Beispiele aus anderen Regionen hilft bei der Entwicklung und Verwirklichung eigener Ideen und warnt vor Irrwegen.

Dr. Ulrich Hampl, stellvertretender Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof, moderierte die Tagung mit der festen Überzeugung: Bildung für nachhaltige Entwicklung findet am allerbesten auf dem Bauernhof statt. Es geht um starke Kinder und darum, das Leben gestalten zu lernen.

Soziale Dienstleistung auf dem Bauernhof

Liselotte Raum von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen stellte den Bauernhofkindergarten in den Kontext weiterer Initiativen, die im Bereich „Green Care“ zusätzliche Einkommensmöglichkeiten auf Bauernhöfen erschließen und gleichzeitig den Erzeuger-Verbraucher-Dialog fördern.

Mit Geschichten aus dem Leben eines Bauernhofkindergartens begeisterten Martin Dörflinger vom Naturkinder Achberg e.V. und Helmut Siegl, der aus der langjährigen Erfahrung als Kindergartenleiter heraus neu gründen möchte, die Teilnehmenden. Die Autorität des „Bauern Franz“ gehörten dazu genauso wie das gemeinsame Füttern der Kühe oder die Ernsthaftigkeit der Kinder bei der Versorgung der Kleintiere.

Andrea Göhring, Landwirtin und Autorin des Buches „Bauernhoftiere bewegen Menschen“, stellte die Möglichkeiten zur tiergestützten Pädagogik mit Nutztieren von einzelnen Aktivitäten bis hin zur Therapie vor. Sie hob dabei die unterschiedlichen Eigenschaften der Tierarten für individuelle Mensch-Tier-Begegnungen hervor.

Wie die Einbindung von Bauernhofkindergärten in die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern gelingen kann, stellte Sina Burmeister von der Fachschule für Sozialpädagogik in Preetz sehr anschaulich vor und berichtete von eigenen prägenden Erfahrungen bei Praktika am Lernort Bauernhof.

Praktische Impulse für Erzieherinnen und Erzieher

Der Nachmittag des zweiten Tagungstages führte die Teilnehmenden auf den Tiggeshof in Ainkhausen. Dort ermöglicht die Familie Tigges Angebote für Kinder und Erwachsene zum Lernen auf ihrem Bauernhof. Ein Kindergarten auf dem Hof ist in der Planungsphase. Zur Tagung stellte Familie Tigges den Hof für unterschiedliche Workshops zur Verfügung, aus denen die Tagungsteilnehmenden wählen konnten. Rudolf Tigges, der hauptberuflich die Landwirtschaft betreibt, erklärte Aktivitäten rund um die Kühe und Kälber, Ulla Tigges nahm ihre Gruppe zum Spielen mit in den Wald.

Bianka Busch vom Wurzelkinder e.V. entführte die Teilnehmenden mit Geschichten vom Kartoffelkönig und von Elfen, die ihre Schühchen in Taubnesseln verstecken und zeigte mit Rätseln und Liedern wie viele Lernbereiche spielerisch auf dem Bauernhof abgedeckt werden können.

Ihren Vortrag am Vormittag untermauerte Andrea Göhring zwischen den Hühnern, Schafen und Ziegen des Hofes, wo sie die Teilnehmenden auf die unterschiedlichen natürlichen Eigenschaften und Fähigkeiten der Nutztiere für eine Mitarbeit bei der tiergestützten Pädagogik hinwies.

Mit Helmut Siegl kamen die handwerklich begabten Teilnehmenden auf ihre Kosten. Sie durften Holz bearbeiten, Quirle oder Besen herstellen und das alles beispielhaft für die Arbeit im Elementarbereich erleben.

Aus einem Kindergarten, in dem Kinder aus 30 verschiedenen Nationen zusammenkommen, berichteten am Sonntag Yvonne Kleinholz und Astrid Dorn vom Familienzentrum FABIDO. Ganz regelmäßig machen sie sich mit 18 Vierjährigen auf den Weg mit U-Bahnen und Bussen und einer Wanderung von mehreren Kilometern, um im Laufe des Jahres an neun Terminen den Lernbauernhof von Elmar Schulte-Tigges zu erkunden. Am Anfang sei es ein Abenteuer gewesen, aber inzwischen können es die Kinder kaum abwarten, bis sie wieder Gemüse anbauen und ernten, Schafe füttern und ausmisten, auf den Heuboden klettern, das Schwein Poldi streicheln dürfen. Sie entwickeln dabei Fähigkeiten, über die die Eltern staunen.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Anne-Marie Muhs, die bereits vor 18 Jahren den „Wurzelkinder e.V.“ auf dem eigenen Schweinemastbetrieb gründete, konnte die einzelnen Schritte von der Idee bis zur Gründung eines Bauernhofkindergartens aufzeigen. Sie stellte auch die neu gegründete gemeinnützige Genossenschaft Kita Natura vor, die deutschlandweit die Trägerschaft für Bauernhofkindergärten anbietet.

Wichtig sei, sich Unterstützung von Fachleuten zu holen, um die existentiellen Fragen zum pädagogischen Konzept, zur geeigneten Trägerschaft, zu behördlichen Vorschriften, organisatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen und zur Finanzierung bei der Neugründungen zu klären.

Impulse und Ideen für die Weiterentwicklung und für Unterstützungsmöglichkeiten von Bauernhofkindergärten wurden in einem abschließenden Workshop erarbeitet. Die Teilnehmenden regten zum Beispiel eine Plattform zum Zusammenfinden von interessierten Erzieherinnen und Erziehern, Landwirten und Landwirtinnen an.

Hans-Joachim Meyer zum Felde, Vorsitzender der BAGLoB, wünschte zum Abschluss den Bauernhofkindergärten weiterhin viel Erfolg und viele Nachahmer. Er ermutigte zur Gründung neuer Bauernhofkindergärten und zur engen Vernetzung von Fachleuten aus dem Erzieherbereich und der Landwirtschaft. Am Ende waren sich alle einig: Bei der nächsten Tagung sind sie wieder dabei!
Weitere Informationen sind zu finden unter
www.baglob.de

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